Wolfram oder Molybdän – welches Refraktärmetall?

Wolfram und Molybdän im direkten Vergleich: Dichte, Schmelzpunkt, Leitfähigkeit, Bearbeitung und Kosten – und wann sich welches Metall lohnt.

Inhalt

Wolfram und Molybdän sind die beiden meistgenutzten Refraktärmetalle. Beide halten hohen Temperaturen stand, unterscheiden sich aber deutlich in Dichte, Schmelzpunkt, Leitfähigkeit und Preis. Dieser Vergleich hilft, für die jeweilige Anwendung das passende Metall zu wählen.

Die beiden Metalle im Kurzporträt

Wolfram (W) hat mit rund 3.422 °C den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle und mit etwa 19,25 g/cm³ eine sehr hohe Dichte. Molybdän (Mo) schmilzt bei rund 2.623 °C und ist mit etwa 10,2 g/cm³ nur ungefähr halb so schwer. Beide sind Refraktärmetalle: Sie behalten ihre Festigkeit bis in hohe Temperaturbereiche und werden unter Schutzgas oder im Vakuum verarbeitet, da sie an Luft bei Hitze oxidieren.

Dichte, Schmelzpunkt und Temperaturverhalten

Wolfram ist überall dort erste Wahl, wo maximale Temperaturbeständigkeit oder hohe Dichte gefragt sind – etwa als Hochtemperatur-Elektrode, Strahlungsquelle oder Abschirmung. Molybdän punktet mit besserer Bearbeitbarkeit und geringerem Gewicht bei immer noch sehr hohem Schmelzpunkt. Für tragende Hochtemperatur-Bauteile, die zusätzlich mechanisch belastet werden, ist oft die Molybdän-Legierung TZM die bessere Wahl (siehe eigener Ratgeber).

Bearbeitung, Kosten und Gewicht

Molybdän lässt sich leichter spanend bearbeiten als Wolfram, das wegen seiner Härte und Sprödigkeit meist geschliffen, funkenerosiv oder pulvermetallurgisch endkonturnah gefertigt wird. Beim Gewicht ist Molybdän im Vorteil, wenn Bauteile leicht sein sollen. Wolfram ist in der Regel teurer und schwerer verfügbar; wo seine besonderen Eigenschaften (Dichte, Schmelzpunkt) nicht zwingend gebraucht werden, ist Molybdän oft die wirtschaftlichere Lösung.

Wann Wolfram, wann Molybdän?

  • Wolfram wählen für: höchste Einsatztemperaturen, Strahlungsabschirmung, hohe Dichte (Ausgleichsgewichte, Schwermetall) und WIG-Elektroden.
  • Molybdän wählen für: Ofenbauteile, Hitzeschilde, Elektroden in der Glas- und Halbleiterindustrie sowie Bauteile mit gutem Verhältnis aus Temperaturbeständigkeit, Gewicht und Bearbeitbarkeit.
  • Beide sind bei uns als Stäbe und Halbzeuge ab Lager erhältlich, auch in Kleinmengen und mit Zuschnitt auf Maß.

Häufige Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen Wolfram und Molybdän?

Wolfram hat den höheren Schmelzpunkt (rund 3.422 °C gegenüber 2.623 °C) und die fast doppelte Dichte (≈ 19,25 vs. ≈ 10,2 g/cm³). Molybdän ist dafür leichter, besser bearbeitbar und meist günstiger.

Welches Metall leitet Wärme und Strom besser?

Beide leiten gut. Molybdän hat die etwas höhere elektrische Leitfähigkeit, Wolfram die geringfügig höhere Wärmeleitfähigkeit. In der Praxis entscheiden meist Temperatur, Dichte und Bearbeitbarkeit über die Wahl, nicht die Leitfähigkeit allein.

Ist Molybdän leichter zu bearbeiten als Wolfram?

Ja. Molybdän ist duktiler und lässt sich spanend bearbeiten, während Wolfram wegen seiner Härte und Sprödigkeit meist geschliffen oder funkenerosiv bearbeitet wird.

Wofür wird welches Metall typischerweise verwendet?

Wolfram: WIG-Elektroden, Strahlungsabschirmung, Ausgleichsgewichte und Hochtemperatur-Elektroden. Molybdän: Ofenbauteile, Hitzeschilde sowie Elektroden für die Glas- und Halbleiterfertigung.

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